Das Gasthaus „Hohe Burg“ in der Wilhelmstraße 8 steht zum Verkauf. Das Gebäude ist ein geschütztes Kulturdenkmal. Der im Kern erhaltene Krüppelwalmdachbau stammt aus dem 16. Jahrhundert (1532 beziehungsweise 1596) und trug früher den Namen „Steinkallenfelser Hof“. Daran schließt sich ein spätklassizistischer Gasthausbau aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an.

Eigentümer der traditionsreichen Gaststätte ist die Kirner Privatbrauerei Ph. und C. Andres GmbH & Co. KG. Sie hatte die „Hohe Burg“ 1984 während der Amtszeit von Bürgermeister Werner Dümmler von der Stadt erworben.

Geschäftsführer Sven Schirmer erklärte, er habe die Gesellschafter des Familienunternehmens von seiner Strategie überzeugt, dass eine Brauerei nicht zwingend Gaststätten besitzen und verpachten müsse. Ausschlaggebend für die Verkaufsüberlegungen sei zudem ein städtebauliches Projekt der städtischen Wohnungsbaugesellschaft gewesen.

Demnach soll auf dem angrenzenden Gelände des früheren Top-Marktes neuer Wohnraum entstehen – denkbar seien Wohnungen oder auch eine für Pflegezwecke nutzbare Gebäudeeinheit. Die Wohnungsbaugesellschaft sowie die Wirtschaftsförderung des Kreises hätten bei der Brauerei angefragt, ob Gebäude und Grundstück der denkmalgeschützten „Hohen Burg“ in dieses Projekt eingebracht werden könnten.

„Wir können uns das vorstellen“, sagte Schirmer. Alternativ komme auch ein Verkauf an Dritte infrage. Ein Wertgutachten liege bereits vor. Darin werde auch der erhebliche Investitionsstau des Objekts benannt. Der Kaufpreis dürfte sich im sechsstelligen Euro-Bereich bewegen.

Zukunft als Gaststätte ungewiss

Ob die „Hohe Burg“ weiterhin gastronomisch genutzt wird, ist derzeit offen. Schirmer betonte, dass auch innerhalb eines neuen Gesamtensembles eine Nutzung als Gaststätte möglich sei. Konkrete Planungen gebe es bislang jedoch nicht.

Für die aktuellen Pächter Uwe und Anni Schwanke dürfte die Entwicklung dennoch von großem Interesse sein. Sie betreiben den Gasthof samt Biergarten. Dass sich das Haus wirtschaftlich schwierig führen lässt, zeigt die lange Reihe früherer Gastronomen, die dort bereits gescheitert sind.

Bürgermeister bringt Genossenschaft ins Spiel

Stadtbürgermeister Roland Ruegenberg hofft auf eine Nachfolgenutzung mit öffentlichem Mehrwert. Er könne sich vorstellen, dass eine Genossenschaft gegründet wird, in der sich Akteure aus der Stadtgesellschaft – etwa auch Vereine – zusammenschließen, um die Gastronomie dauerhaft zu sichern.

Gerhard Schmidt, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, verwies auf ein Exposé für das ehemalige Top-Markt-Gelände an der Mittelgasse. Daraus geht hervor, dass auf der 1.541 Quadratmeter großen Fläche, deren Wert mit 277.380 Euro angegeben wird, ein Wohnprojekt entstehen könnte. Dieses solle sich architektonisch in das historische Umfeld mit der ehemaligen Deutschordenskomturei (heute Amtsgericht) sowie der „Hohen Burg“ einfügen. Auch eine Einbindung der Gaststätte in das Vorhaben wird erwähnt.

Kritische Einordnung

Der Verkauf der „Hohen Burg“ zeigt vor allem eines: Ein bedeutendes Denkmal mit zentraler Lage wurde über Jahre offenbar nicht ausreichend entwickelt. Statt frühzeitig tragfähige Konzepte für Gastronomie, Tourismus oder öffentliche Nutzung zu schaffen, wird nun unter Zeitdruck nach Lösungen gesucht. Ob Wohnen, Pflegeeinrichtung oder Genossenschaft am Ende mehr sind als lose Ideen, bleibt derzeit offen.


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