Seit Mitte der 1980er Jahre gibt es den Ebernburger Mittelaltermarkt, der zunächst im historischen Ortskern unterhalb der Burg stattfand. Im Jahr 1990 wurde er um die Ritterspiele auf den Nahewiesen unter dem Rotenfels ergänzt. Anfangs wurde die Veranstaltung von der Bad Münsterer Kurverwaltung organisiert. Auf deren Bitte übernahm im Jahr 2001 der Verkehrsverein Rheingrafenstein e.V. ehrenamtlich die Organisation, unterstützt vom gemeinnützigen Verein „Wir für BME e.V.“ und später von der Stiftung Rheingrafenstein.

„Seit der Gründung der Kultur und Tourismus gemeinnützige GmbH (KulT) durch den Verkehrsverein liegt die Verantwortung nun dort“, ist auf der Homepage des Mittelaltermarktes zu lesen. Diese Information ist jedoch nicht mehr aktuell, denn in der vergangenen Woche haben der Verkehrsverein und KulT mitgeteilt, dass es in diesem Jahr keinen Mittelaltermarkt geben wird. Die Verantwortlichen nennen mehrere Gründe für diese Entscheidung, die im Folgenden im Wortlaut wiedergegeben werden.

Ein zentrales Argument ist, dass es nicht gelungen sei, Personen zu finden, die Vorstandsämter übernehmen. Zudem hätten sich für die amtierenden Personen „höhere Belastungen durch den Beruf“ ergeben, der Altersdurchschnitt im Ortsteil sei gestiegen, und das Freizeitverhalten des potentiellen Publikums habe sich verändert. Dies führe dazu, dass „immer mehr ehrenamtliche Aufgaben für immer weniger Ehrenamtliche“ zu bewältigen seien.

Darüber hinaus benennen Verkehrsverein und KulT die Stadt Bad Kreuznach als Mitverursacher des Niedergangs: „Die teils schikanösen Auflagen und gebrochenen Zusagen durch das Kreuznacher Ordnungsamt sowie die fehlende finanzielle Unterstützung der Stadt haben zu höheren städtischen Kosten geführt“, heißt es wörtlich in der Erklärung. Die Stadtverwaltung Bad Kreuznach, die seit der Eingemeindung von Bad Münster am Stein – Ebernburg am 1. Juli 2014 für die Belange des Ortsbezirkes verantwortlich ist, stellt jedoch klar: „Es hat für den Mittelaltermarkt zu keinem Zeitpunkt seit 2014 eine finanzielle Förderung durch die Stadt Bad Kreuznach gegeben. Auch für keine andere Veranstaltung wurde ein Zuschuss gewährt. Wir haben zu keiner Zeit schikanöse Auflagen erteilt; diese ergeben sich aus den gesetzlichen Normen und Vorschriften. Zudem haben wir keine Zusagen gebrochen. Trotz wiederholter und frühzeitiger Aufforderung wurde vom Veranstalter kein ausreichendes Sicherheitskonzept vorgelegt.“

Der diesbezügliche Konflikt hatte bereits im September 2025 bei der Eröffnung des Marktes zu einem Eklat geführt, als Stefan Köhl öffentlich seine Ämter niederlegte oder dies ankündigte.

Die Frage bleibt, wer letztlich verantwortlich ist: Wird der Mittelaltermarkt zur Chefsache oder wird die Festinfrastruktur weiter geschwächt? Es zeigt sich, dass die Fusion zwischen der Stadt Bad Kreuznach und Bad Münster am Stein – Ebernburg den weiteren Abstieg des Stadtteils zur Folge hat. Die strengen Sicherheitsauflagen der Stadtverwaltung Bad Kreuznach und ihres Beigeordneten führen dazu, dass immer weniger Festivitäten stattfinden, da sich die Vereine diese nicht mehr leisten können. Diese Problematik wird in der öffentlichen Diskussion oft nicht wahrgenommen und von den örtlichen Medien weitgehend ausgeklammert.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert