Der Stadtteil Bad Münster am Stein/Ebernburg entwickelt sich für die Stadt Bad Kreuznach seit der Eingemeindung im Jahr 2014 zunehmend zu einem erheblichen finanziellen Kraftakt.
Nach Millioneninvestitionen in verschiedene Infrastrukturprojekte – unter anderem in Kanäle, den Bahnhof und weitere öffentliche Einrichtungen – rückt nun die Tiefgarage am Goetheplatz in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Auch sie befindet sich in einem Zustand, der offensichtlich eine umfassende und kostspielige Sanierung erforderlich macht.
Wer die Tiefgarage heute betritt, erkennt die Probleme sofort. Feuchte Wände, starke Ausblühungen, stellenweise sogar Stalaktiten sowie abplatzende Beschichtungen an den Decken prägen das Bild. Der bauliche Zustand wirkt insgesamt stark sanierungsbedürftig und vermittelt keinen gepflegten Eindruck mehr.
Die Parkanlage wurde bereits 1976 errichtet – zu einer Zeit, als Bad Münster am Stein/Ebernburg noch eine eigenständige Gemeinde war. Über viele Jahre wurden notwendige Instandsetzungsmaßnahmen immer wieder verschoben oder nur teilweise umgesetzt. Dadurch entstand ein erheblicher Sanierungsstau, dessen Folgen heute deutlich sichtbar sind. Wie so oft im kommunalen Bereich gilt auch hier: Aufgeschobene Investitionen werden am Ende deutlich teurer. Nun muss sich die Stadt mit den Folgen des jahrelangen Substanzverlustes auseinandersetzen. Das bedeutet hohe Instandhaltungskosten für den angespannten Stadthaushalt.
Aktuell öffentlich beraten wurde das Thema im Ausschuss für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr (PLUV) am 9. Juni. Dort informierte die Verwaltung darüber, dass die Tiefgarage trotz ihres schlechten baulichen Zustands vorerst weiter genutzt werden könne. Möglich sei dies aufgrund der Konstruktion mit Stahlstützen. Gleichzeitig wurde bekannt gegeben, dass das Ingenieurbüro IBS Ingenieurbau-Consult GmbH mit der Erarbeitung eines Sanierungskonzepts beauftragt wurde.
Bereits bei einer kürzlichen Begehung zeigten sich die Teilnehmer überrascht über den schlechten Zustand der Bausubstanz. Offenbar bestand schnell Einigkeit darüber, dass eine vollständige Sanierung der gesamten Anlage notwendig sein wird.
Hinzu kommt, dass eine Modernisierung heute weit mehr umfasst als die reine Betoninstandsetzung. Seit der Errichtung der Tiefgarage haben sich technische Vorschriften, Brandschutzanforderungen und Sicherheitsstandards erheblich verändert. Eine Sanierung muss diese Vorgaben berücksichtigen und wird deshalb wesentlich teurer ausfallen als noch vor einem Jahrzehnt. Darüber hinaus dürfte auch die Neugestaltung der Außenanlagen rund um den Goetheplatz einschließlich des Pflasterbelags erforderlich werden.
Trotz der erheblichen Schäden wurde im Ausschuss erklärt, dass die Nutzung der Tiefgarage derzeit als „relativ gefahrlos“ eingeschätzt werde. Es wurden zusätzlich schwere Stahlträger montiert. Für die Bürger dürfte dies allerdings nur ein schwacher Trost sein. Sichtbare Feuchtigkeitsschäden und bröckelnde Oberflächen hinterlassen keinen vertrauenerweckenden Eindruck.
Die Ortsvorsteherin Birgit Emsinger-Busse (Freie Wähler) betonte im Ausschuss die große Bedeutung der Tiefgarage für den Stadtteil. Sie sei die einzige öffentliche Tiefgarage in Bad Münster am Stein/Ebernburg und stelle mit ihren 98 Stellplätzen eine wichtige Infrastruktur für Besucher, Kurgäste und Kunden der örtlichen Geschäfte dar. Ein Verzicht auf die Anlage sei daher kaum vorstellbar.
Fest steht: Die Tiefgarage am Goetheplatz wird die Stadt Bad Kreuznach erneut vor erhebliche finanzielle Herausforderungen stellen. Wie hoch die Kosten am Ende tatsächlich ausfallen werden, ist derzeit noch offen. Angesichts des sichtbaren Sanierungsbedarfs, der verschärften technischen Anforderungen und des jahrelangen Investitionsstaus dürfte jedoch ein erheblicher Millionenbetrag erforderlich sein.
Für den ohnehin angespannten Haushalt der Stadt wäre dies die nächste kostspielige Altlast, die letztlich von den Steuerzahlern finanziert werden muss. Die Entwicklung wirft zugleich die grundsätzliche Frage auf, welche finanziellen Folgen die Eingemeindung von Bad Münster am Stein/Ebernburg langfristig für die Gesamtstadt tatsächlich mit sich gebracht hat und welche weiteren Sanierungsprojekte in den kommenden Jahren noch auf Bad Kreuznach zukommen werden.


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