Ein neuer Springbrunnen soll den Kurpark aufwerten. Statt Wasseridylle gibt es jetzt grauen Beton. Ist das wirklich eine Verbesserung?

Vom 24. bis 26. Juli lockte „Wein im Park“ zahlreiche Besucher in den Kurpark von Bad Münster am Stein-Ebernburg. Bei Musik, Wein und gutem Essen ließ sich ein schöner Familientag verbringen – eingebettet in die beeindruckende Kulisse von Rheingrafenstein und Gradierwerk. Es war ein schöner Familie-Tag im Kurpark.

Allerdings waren wir und andere Besucher von dem neugestalteten Springbrunnen im Kurpark geschockt. Man kann es nicht anders ausdrücken. Wer den früheren Springbrunnen kannte, reibt sich bei diesem Anblick einer grauen Betonfläche die Augen. Bei manchem Besucher kam tatsächlich die Frage auf: Ist das wirklich schon fertig?

Hier ist der alte Springbrunnen im Kurpark – auch bei einem Weinfest zu sehen. Kein Vergleich zu der heutigen grauen Betonfläche. (Foto: André Stein)

Statt einer ansprechenden Wasserfläche präsentiert sich mitten im grünen Kurpark eine große, nüchtern-graue Betonfläche. Ein paar kleine Wasserstrahlen ändern daran nur wenig. Von romantischer Kurpark-Atmosphäre keine Spur.

Natürlich liegt Schönheit im Auge des Betrachters. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Aber man muss schon eine besondere Vorliebe für Sichtbeton haben, um diese Gestaltung als Verschönerung zu empfinden.

Besonders bemerkenswert: Aus dem ehemaligen Springbrunnen wurde eine begehbare und barrierefreie Fläche. Das klingt zunächst fortschrittlich. Nur stellt sich die Frage: Muss ausgerechnet ein Springbrunnen in einem Kurpark begehbar sein?

Wer einen Kurpark besucht, möchte vielleicht einfach auf einer Bank sitzen, dem Wasser zuschauen, die Umgebung genießen und sich erholen. Man muss dort nicht unbedingt durch das Wasser laufen können, oder irgendeine Form von „Action“ erleben. Es ist ein Kurpark!

Und auch ökologisch wirkt die Lösung zumindest erklärungsbedürftig. Während andernorts von Entsiegelung, Begrünung und der Vermeidung von Hitzeinseln gesprochen wird, wird hier mitten im Kurpark eine große Fläche betoniert. Ausgerechnet dort, wo Wasser eigentlich für Abkühlung sorgen könnte, entsteht nun eine graue Fläche, die sich bei sommerlicher Sonne wahrscheinlich aufheizen dürfte.

Vielleicht sieht es wenigstens nachts besser aus: Dann ist ein programmiertes LED-Farbspiel vorgesehen. Möglicherweise verwandelt sich die Betonfläche dann tatsächlich in etwas, das man sich gerne anschaut. Tagsüber bleibt allerdings vor allem der Eindruck: viel Beton, wenig Kurpark.

Und dann wäre da noch die Rechnung. Nach Angaben der Stadtverwaltung kostete die Neugestaltung rund 405.000 Euro. Zwar wurden 90 Prozent der förderfähigen Kosten über das Programm „Lebendige Zentren – Aktive Stadt, Kernbereich Bad Münster“ finanziert. Doch Fördermittel sind bekanntlich kein Geld, das vom Himmel fällt. Es handelt sich ebenfalls um Steuergeld.

Da darf man durchaus fragen, ob eine technisch notwendige Ertüchtigung der bisherigen Wasseranlage nicht auch mit deutlich weniger Aufwand möglich gewesen wäre – und ob das Ergebnis dann vielleicht sogar schöner geworden wäre.

Am Ende bleibt jedenfalls ein bemerkenswerter Eindruck: Ein Kurpark, der eigentlich mit Natur, Wasser und Erholung punkten könnte, bekommt einen neuen Mittelpunkt aus grauem Beton.

Bleibt nur die Frage, die sich viele Besucher stellen dürften:

Ist das wirklich eine Verschönerung des Kurparks – oder eine weitere Bausünde, die uns als Fortschritt verkauft wird?

Die Antwort darauf darf jeder Besucher selbst geben. Am besten bei Tageslicht

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