Das E-Carsharing-Angebot in Bad Kreuznach steht vor dem Aus. Wie die Kreuznacher Stadtwerke in einer Pressemitteilung mitteilten, hat der bisherige Partner den Vertrag zum 31. Juli gekündigt. Das Geschäftsfeld werde nicht weiter betrieben. Als Grund werden wirtschaftliche Erwägungen genannt.

Damit endet vorerst ein Angebot, das seit rund zehn Jahren in Bad Kreuznach bestand. Die Stadtwerke hatten in dieser Zeit mit unterschiedlichen Partnern versucht ein E-Carsharing-Angebot zur Verfügung zu stellen. Zuletzt war die Hop-ON Sharing aus Frankfurt am Main Partner der Stadtwerke. Stationiert waren zwei VW ID.3, jeweils im Parkhaus Mühlenstraße und am Mobil- und Infopunkt am Bahnhof.

Eine Weiterführung des Angebots ist derzeit offenbar nicht absehbar. Nach Angaben der Stadtwerke gibt es gegenwärtig keine Gespräche mit anderen Interessenten. Damit zeigt sich, dass sich das Modell in der bisherigen Form wirtschaftlich offensichtlich nicht getragen hat.

Bei aller Sympathie für moderne Mobilitätsangebote muss die Entwicklung nüchtern betrachtet werden. Wenn ein E-Carsharing-Angebot über einen Zeitraum von zehn Jahren mit wechselnden Partnern nicht dauerhaft wirtschaftlich betrieben werden kann, stellt sich die Frage nach der Tragfähigkeit des Konzepts. Zwei oder drei Elektrofahrzeuge werden kaum dazu beitragen können, die Verkehrsdichte in Bad Kreuznach spürbar zu senken. Die bekannten Verkehrsprobleme, etwa an der Alzeyer Straße mit dem Fleischhauer-Kreisel, in der Viktoriastraße, der Salinenstraße oder in der Bosenheimer Straße, lassen sich auf diese Weise nicht ernsthaft entschärfen. Ein kleines Carsharing-Angebot mit wenigen Fahrzeugen kann diese grundlegenden verkehrspolitischen Fragen nicht lösen.

Auch die Parkplatzproblematik wird dadurch kaum gelöst. In den vergangenen Monaten wurde in Bad Kreuznach vor allem über höhere Parkgebühren und deren Beitrag zur Finanzierung der Bäderlandschaft diskutiert. 

Kritisch zu betrachten ist außerdem die Finanzierung. Wer trägt die Kosten für Anschaffung, Wartung, Reparaturen und Betrieb der Fahrzeuge? Wer bezahlt das Laden an den Säulen der Kreuznacher Stadtwerke? Wenn solche (steigende) Kosten am Ende überwiegend bei den Stadtwerken und damit bei deren Kunden hängen bleiben, ist ein dauerhaftes Modell schwer zu rechtfertigen. Das Ende des E-Carsharing-Angebots ist ein Hinweis darauf, dass gut gemeinte Mobilitätsprojekte auch wirtschaftlich tragfähig sein müssen. Sie müssen realistisch geplant, transparent finanziert und an tatsächlichen Nutzungszahlen gemessen werden. In der bisherigen Form scheint das E-Carsharing in Bad Kreuznach diesen Anforderungen nicht genügt zu haben.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert