Was in der Stadtratssitzung am 26.03.2026 beschlossen wurde, lässt viele Bürger fassungslos zurück: Mit der Stimmenmehrheit der anwesenden Stadträte wurde beschlossen, ein Markterkundungsverfahren für den Verkauf des Casino-Gebäudes und des gesamten umliegenden Areals einzuleiten. Aber hinter dem harmlos klingenden Beschluss verbirgt sich nichts anderes als die Vorbereitung für den nächsten städtebaulichen Ausverkauf Bad Kreuznachs.
Nicht nur das Casino-Gebäude selbst soll Gegenstand des Markterkundungsverfahrens sein. In das Verfahren einbezogen werden auch die historische Stadtmauer, der Stadtgraben, der angrenzende VfL-Parkplatz, sowie die Schmerz’schen Gärten. Damit steht eines der letzten geschichtsträchtigsten und städtebaulich bedeutendsten Areale Bad Kreuznachs insgesamt zur Disposition.
Dass dieser Beschluss unter den Stadträten hoch umstritten war, zeigte die emotional aufgeladene Stadtratssitzung deutlich. Neben mehreren kritischen Ratsmitgliedern äußerte auch der Altstadtverein Bedenken.
Besonders brisant scheint der Umgang mit dem Denkmalschutz. Das gesamte Areal bildet eine zusammenhängende Denkmalzone. Es entsteht der Eindruck, dass der bestehende Denkmalschutz bei den Planungen eher als Hindernis denn als Verpflichtung betrachtet wird.
Für viele Bürger ist das ein fatales Signal:
Historische Substanz, die über Jahrhunderte das Stadtbild geprägt hat, droht wirtschaftlichen Interessen geopfert zu werden. Oder wird hier bewusst gegen historische Baudenkmäler unserer Heimat gehandelt?
Besonders schwer nachvollziehbar erscheint die aktuelle Entwicklung angesichts der Tatsache, dass das Casino-Gebäude der Stadt bereits hohe Kosten verursacht hat.
Trotz der großen Investitionen befindet sich das Innere des architektonisch reizvollen Gebäudes bis heute im Rohbauzustand.
Dabei steht noch ein weiteres Problem im Raum:
Sollte das Gebäude künftig nicht mehr öffentlich zugänglich sein, müssten bereits gezahlte Fördergelder zurückgezahlt werden. Angesichts der dramatisch angespannten Haushaltslage wäre dies für Bad Kreuznach nicht zu leisten.
Oberbürgermeister Emanuel Letz hatte vor seiner Wahl öffentlich versprochen, das Casino-Gebäude fertigzustellen und einer Nutzung zuzuführen. Von diesem Versprechen ist inzwischen nichts mehr übrig.
Der Verfasser erinnert in diesem Zusammenhang auch an den von Herrn Oberbürgermeister Letz vollmundig angekündigten 7-Punkte-Aktionsplan vor seiner Wahl, dessen Einlösung die Bürger gerne sehen würden. Wahlversprechen zu brechen scheint längst zu einer Art Volkssport in der Regierungspolitik geworden zu sein – nicht nur in Berlin oder Mainz, sondern inzwischen auch im Bad Kreuznacher Rathaus.
Der Oberbürgermeister versprach auch Ersatz für die entfallenden VfL-Parkplätze. Aber wo sollen Ersatz-Parkplätze herkommen? Zumal in direkter Nachbarschaft die Investorenfamilie Schenk 93 Wohnungen im ehemaligen Telekom-Gebäude schaffen wird. Da wird selbstverständlich ein entsprechender Mehrbedarf an Parkmöglichkeiten entstehen. Es ist völlig unrealistisch diesen Bedarf zusätzlich mit den wegfallenden Parkplätzen des VfL-Parklatzes und der Parkplätze im Stadtgraben in der näheren Umgebung zu schaffen.
Fazit:
Dieses Vorhaben droht sich in die Reihe von Millionengräber und Fehlplanungen der letzten Jahre einzureihen. Erinnert werden soll hier nur an das Fahrradparkhaus, die Fahrradstreifen mitten auf den Straßen und das Hallenbad.
Besonders erwähnenswert wäre noch der Erwerb des Neue Rathauses im ehemaligen Sparkassengebäude am Kornmarkt. Ursprünglich wurde den Bürgern und den Stadträten versprochen, dass die gesamte Verwaltung dort untergebracht wird. Einige Stadträte bedauern inzwischen ihre damalige Zustimmung.
Die Frage drängt sich auf, ob hier bewusst falsche Erwartungen geweckt wurden oder ob die Planungen von Anfang an von gravierender Ahnungslosigkeit geprägt waren. Beides wäre gleichermaßen erschreckend. Das könnte mal Thema einer Untersuchung werden. Eines allerdings dürfte sicher sein, bei der Sparkasse wird man sich über dieses Geschäft bis heute zufrieden die Hände reiben.
Der geplante Verkauf des Casino-Areals ist weit mehr als nur eine Verwaltungsentscheidung. Er ist ein Symbol dafür, wie in Bad Kreuznach inzwischen mit historischer Substanz, öffentlichen Geldern und politischen Zusagen umgegangen wird. Viele Bürger befürchten einen erneuten städtebaulichen Kahlschlag – mit irreversiblen Folgen.
Denn was einmal verkauft und/oder abgerissen wurde, kommt niemals mehr zurück. Es ist für immer verloren.


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