Ein Bummel durch die Bad Kreuznacher Innenstadt zeigt ein Bild, das viele Bürger mit Sorge betrachten. Die Zahl der Leerstände ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Traditionsreiche Fachgeschäfte sind verschwunden, während sich das Angebot zunehmend auf Billigläden, Döner-Restaurants, Barbershops, Shisha-Bars und Kioske konzentriert. Diese Entwicklung verändert den Charakter der Innenstadt nachhaltig – und nicht zum Positiven.

Bad Kreuznach war über Jahrzehnte weit mehr als nur ein regionales Einkaufszentrum. Die Stadt lebte von einer gelungenen Mischung aus Einzelhandel, Kurwesen, Tourismus und Weinkultur. Genau dieses Alleinstellungsmerkmal droht zunehmend verloren zu gehen. Zwar ist dieser Strukturwandel auch in vielen anderen deutschen Innenstädten zu beobachten, doch das sollte kein Grund sein, diese Entwicklung tatenlos hinzunehmen und einfach zu akzeptieren..

Besonders alarmierend sind die jüngsten Berichte über eine mögliche Schließung des Kaufhofs. Das Warenhaus zählt zu den letzten großen Ankerbetrieben in der Mannheimer Straße. Sollte auch dieser Standort aufgegeben werden, wären die Folgen für die gesamte Innenstadt erheblich. Weniger Besucher bedeuten weniger Laufkundschaft – und damit sinkende Umsätze für die umliegenden Geschäfte. Ein weiterer Dominoeffekt wäre kaum auszuschließen.

Natürlich kann die Stadtverwaltung nicht unmittelbar in unternehmerische Entscheidungen eingreifen. Sie kann jedoch Rahmenbedingungen schaffen, die den stationären Einzelhandel stärken, anstatt ihn zusätzlich zu belasten. Dazu gehört auch eine kluge Parkraumpolitik.

Gerade die Parkgebühren stehen seit Langem in der Kritik. Wer für kurze Besorgungen, einen Apothekenbesuch, den Gang zur Post oder einen schnellen Einkauf hohe Parkkosten zahlen muss, überlegt sich zunehmend, ob der Weg in die Innenstadt überhaupt noch lohnt. Viele Kunden weichen stattdessen auf Einkaufszentren oder Nachbarstädte mit günstigeren Parkmöglichkeiten aus.

Eine Neugestaltung der Tarifstruktur wäre deshalb sinnvoll. Insbesondere die erste Parkstunde sollte deutlich günstiger angeboten werden. Davon würden nicht nur Besucher profitieren. Auch der Einzelhandel, die Gastronomie und Dienstleister könnten von einer höheren Aufenthaltsqualität und steigenden Besucherzahlen profitieren. Wer zunächst nur eine kurze Besorgung plant, bleibt häufig länger, wenn der Aufenthalt nicht bereits durch hohe Parkkosten unattraktiv wird. Dadurch profitiert mit Umsätzen der lokale Einzelhandel und die Parkerlöse steigen auch, ohne im vornherein die Menschen abzuschrecken.

Die Stadt argumentierte bei der deutlichen Erhöhung der Parkgebühren mit dem zusätzlichen Finanzbedarf, insbesondere zur Mitfinanzierung der defizitären Bäderlandschaft. Doch die erhofften Mehreinnahmen blieben offenbar hinter den Erwartungen zurück. Umso mehr stellt sich die Frage, ob diese Strategie tatsächlich erfolgreich ist oder langfristig sogar wirtschaftlichen Schaden verursacht. Denn wenn Geschäfte schließen, Arbeitsplätze verloren gehen und Gewerbesteuereinnahmen sinken, zahlt die Stadt letztlich einen deutlich höheren Preis als die kurzfristigen (eventuellen) Mehreinnahmen aus Parkgebühren. Eine lebendige Innenstadt ist kein Selbstläufer. Sie benötigt attraktive Rahmenbedingungen, gute Erreichbarkeit und politische Entscheidungen mit Weitblick.

Bad Kreuznach muss sich deshalb fragen, welche Rolle die Innenstadt künftig spielen soll. Soll sie weiterhin ein lebendiger Einkaufs-, Kur- und Tourismusstandort bleiben oder nimmt man den schleichenden Bedeutungsverlust in Kauf? Die Zeit für eine ehrliche Diskussion und konkrete Maßnahmen ist längst gekommen. 


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