Bad Münster am Stein-Ebernburg. Das sogenannte SAL-Quartier entwickelt sich zunehmend zum Sorgenkind. Seit April ist auf dem Gelände der ehemaligen Paracelsus-Klinik keine Bautätigkeit zu erkennen. Zurück bleibt ein großer, entkernter Gebäudekomplex – und die Frage, wann und vor allem wie es mit dem aufwendigen Projekt weitergehen soll.
Auch im Stadtrat der Stadt und im Ortsbeirat von Bad Münster am Stein-Ebernburg war der Baustopp deshalb schon ein Thema. Aus einem Vorhaben, das dem Stadtteil neuen Wohnraum und zusätzliche Impulse bringen sollte, könnte im ungünstigsten Fall eine weitere Dauerbaustelle werden.
Ursprünglich sollte die ehemalige Klinik zu einer hochwertigen Wohnanlage mit rund 76 Appartements, Penthouse-Wohnungen und einem Kindergarten umgebaut werden. Ein durchaus interessantes Konzept für den Stadtteil. Doch derzeit herrscht Stillstand. Nach Aussagen aus dem Ortsbeirat sei der Hanauer Investor beziehungsweise Projektverantwortliche derzeit nicht erreichbar. Dem Vernehmen nach sollen auch Versuche anderer Beteiligter Kontakt aufzunehmen, bislang erfolglos geblieben sein.
Als ein möglicher Grund für die finanziellen Schwierigkeiten wurde in Medienberichten der unerwartete Tod eines Käufers genannt, der mehrere Wohnungen erwerben wollte. Die dadurch ausgebliebene Kaufsumme soll eine Finanzierungslücke hinterlassen haben. Weiterhin wurde berichtet, dass bereits 41 Wohnungen und auch die teuren Penthouse-Wohnungen verkauft worden seien.
Bedenken gegenüber der Dimension und Finanzierung des Projektes waren nicht völlig neu. Einzelne Mitglieder aus Stadtrat und Ortsbeirat hatten bereits früh Fragen zu diesem Projekt aufgeworfen. Medienberichte beschäftigten sich zudem mit der Projektgesellschaft und deren wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit sowie mit dem Verhältnis zur Hanauer Unternehmensgruppe im Hintergrund.
Im Nachhinein stellt sich deshalb die Frage, ob bei einem Projekt dieser Größenordnung Risiken früher und intensiver hätten geprüft werden müssen. Zwar kann eine Kommune nicht jedes wirtschaftliche Risiko eines privaten Investors klären. Bei städtebaulich bedeutenden Großprojekten sollte aber möglichst früh klar sein, welche Folgen eintreten können, wenn Finanzierung oder Projektgesellschaft ins Wanken geraten.
Im Ortsbeirat wurde inzwischen auch eine mögliche Alternative diskutiert: Sollte das Gesamtprojekt in seiner bisherigen Form nicht mehr realisierbar sein, könnte eine Aufteilung in kleinere Einheiten geprüft werden. Dadurch ließen sich möglicherweise leichter neue Investoren oder Projektpartner finden.
Ob dieser Weg rechtlich, baulich und wirtschaftlich überhaupt umsetzbar ist, müsste allerdings zunächst geklärt werden. Entscheidend ist, dass möglichst schnell wieder Bewegung in die Angelegenheit kommt.
Denn der jetzige Zustand kann keine Dauerlösung sein. Der große entkernte Gebäudekomplex liegt an prominenter Stelle und prägt das Erscheinungsbild von Bad Münster am Stein negativ. Für einen Stadtteil, der wesentlich vom Tourismus, seinem Kurgebiet und seiner besonderen Landschaft lebt, ist eine jahrelange Großbaustelle alles andere als Werbung.
Besonders unangenehm ist die Situation, weil Bad Kreuznach mit dem stillstehenden Bauprojekt „Salinenquartier“ in der Salinenstraße bereits negative Erfahrungen dieser Art gemacht hat. Nach den wirtschaftlichen Problemen des dortigen Projektentwicklers blieb auch dort eine weithin sichtbare stillgelegte Baustelle zurück. Eine ähnliche Entwicklung darf sich in Bad Münster möglichst nicht wiederholen.
Natürlich steht die gesamte Bauwirtschaft seit Jahren unter erheblichem Druck. Hohe Bau- und Finanzierungskosten, gestiegene Standards, umfangreiche Vorschriften und langwierige Verfahren erschweren insbesondere große Wohnungsbauprojekte. Zahlreiche Insolvenzen und gestoppte Vorhaben in Deutschland zeigen, dass dies längst kein rein lokales Problem ist.
Das entbindet Politik und Verwaltung jedoch nicht davon, bei bedeutenden Projekten genau hinzuschauen und im Krisenfall frühzeitig nach Alternativen zu suchen.
Beim SAL-Quartier sollte deshalb jetzt Transparenz geschaffen werden: Wie ist der tatsächliche Stand des Projektes? Ist die Finanzierung noch gesichert? Gibt es einen belastbaren Zeitplan für die Fortsetzung der Arbeiten? Und welche Möglichkeiten bestehen, falls der bisherige Investor das Vorhaben nicht zu Ende führen kann?
Bad Münster am Stein-Ebernburg braucht an dieser Stelle keine weitere jahrelange Bauruine, sondern eine tragfähige Lösung.


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