Fast ohne größere öffentliche und mediale Aufmerksamkeit wurde in Bad Kreuznach der vierstreifige Ausbau der B 428 fertiggestellt. Weder die Stadt Bad Kreuznach noch der Landesbetrieb Mobilität haben daraus ein großes öffentliches Ereignis gemacht. Dabei handelt es sich um ein wichtiges, längerfristiges Straßenbauprojekt, das für den Verkehr im Osten der Stadt spürbare Verbesserungen bringt.

Durch die Erweiterung der Eisenbahnbrücke mit ihrem Neubau und den durchgehenden vierstreifigen Ausbau bis zum Kreisel an der Bosenheimer Straße wurde ein nervendes Nadelöhr beseitigt. Der Verkehr kann nun zügiger fließen. Weniger Stau bedeutet zugleich weniger Abgase, weniger Lärm und eine bessere Entlastung für Verkehrsteilnehmer und Anlieger.

Der Ausbau der B 428 zeigt damit, dass gut geplante Verkehrsinfrastruktur einen echten Nutzen haben kann. Hier wurde nicht ideologisch geplant, sondern ein tatsächliches Verkehrsproblem entschärft. Allerdings ob die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h wirklich notwendig war, ist umstritten.

Der Ausbau der B 428 ist ein gelungenes Beispiel für eine sinnvolle Verkehrsmaßnahme. Genau das kann man leider nicht von allen Projekten der Stadt Bad Kreuznach behaupten. 

Während eben der Ausbau der B 428 ein gelungenes Beispiel für eine realistische und zweckmäßige Maßnahme ist, wirken andere Projekte der Stadtverwaltung eher wie verkehrspolitische Experimente mit fragwürdigem Nutzen. Kaum genutzte rote Fahrradstreifen in der Wilhelmstraße, künstliche Verengungen und der Wegfall von Fahrspuren in der Viktoriastraße oder wenig ausgelastete Bus- und Fahrradspuren in der Gensinger Straße zeigen, dass die städtische Verkehrsplanung nicht immer überzeugend und logisch wirkt.

Solche Maßnahmen mögen auf dem Papier modern wirken und dem herrschenden Zeitgeist dienen, in der täglichen Realität führen sie aber häufig zu mehr Stau, Verunsicherung und Ärger bei den Verkehrsteilnehmern.

Unverständlich bleibt auch, warum zum Beispiel in Bad Kreuznach Süd/Ost trotz großer Tempo-30-Zone weiterhin störende Fahrbahnverengungen in der Dürerstraße und im Pfalzsprung bestehen. 

Neben dem lebhaften Durchgangsverkehr, vor allem im Berufsverkehr, in und aus Richtung Bosenheimer Straße/B 41 führen auch zwei Buslinien (201+205) dort entlang. Beim Begegnungsverkehr entsteht an diesen Hindernissen Stress. Oft versuchen Verkehrsteilnehmer mit Vollgas vor den entgegenkommenden Fahrzeugen dort vorbei zu kommen.

Auch beim sogenannten Fleischhauer-Kreisel in der stark belasteten Alzeyer Straße ist von einer Weiterentwicklung wenig zu hören. Diese Straße ist seit Jahren bekanntermaßen stark belastet. Trotzdem befindet sich der Fleischhauer-Kreisel offenbar noch immer in der ersten Ausbaustufe. Leider gibt es genügend weitere problematische Stellen im Stadtgebiet, von Straßen, Bürgersteige bis hin zu Brücken, die man aufzählen könnte.

Die Stadtverwaltung ist gefordert, endlich nachvollziehbare und realisierbare Pläne vorzulegen. Bad Kreuznach braucht keine Symbolpolitik im Straßenverkehr, sondern eine Verkehrsplanung, die sich an der tatsächlichen Wirklichkeit orientiert: Wo fließt der Verkehr? Wo entstehen Staus? Wo sind Gefahrenstellen? Wo werden Busse, Fußgänger, Radfahrer und auch die Autofahrer tatsächlich entlastet?

Der fertige Ausbau der B 428 zeigt, dass sinnvolle Verkehrsplanung möglich ist. Er zeigt aber auch, wie groß der Unterschied zwischen einer notwendigen Infrastrukturmaßnahme und vielen kleinteiligen, teilweise schwer nachvollziehbaren Eingriffen im Stadtgebiet sein kann. Bad Kreuznach braucht mehr solcher funktionierenden Lösungen – und weniger Verkehrsplanung, die am Bedarf der Bürger vorbeigeht.


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